Holocaust-Überlebender Leslie Schwartz

Leslie Schwartz am 20.Juni 2016: „Entweder du stehst auf, oder du bekommst noch eine Kugel.“

Betroffen verfolgten alle 100 Zuhörer den Lebensbericht des heute 86-jährigen Holocaust – Überlebenden Leslie Schwartz.
Er verließ mit anderen KZ – Häftlingen den Todeszug von Mühldorf, nachdem bei den SS – Bewachern eine Radiomeldung von Widerstandskämpfern bekannt wurde, dass der Krieg zu Ende sei. Hierbei erfuhr Leslie mit drei anderen Überlebenden Hilfe von der Bäuerin Barbara Huber, indem sie ihnen Milch und Butterbrote gab.
Unerwartet schoss ein 16-jähriger Hitlerjunge auf Leslie, traf ihn am Hals und forderte ihn auf, zu dem Todeszug von Mühldorf zurückzukehren. Diese Unterstützung durch die Bäuerin, aber auch von Martin Fuss und Agnes Reisch half Leslie Schwartz zu überleben und bewahrte ihn vor den natürlicherweise aufkommenden Hassgefühlen gegenüber den NS – Tätern. „Aber für mich galt dies [Hass, Ergänzung] nicht, weil drei gute Deutsche mir, dem 15-jährigen, einen Funken Hoffnung gaben und sie mir damit zeigten, dass nicht alle Deutschen gleich sind“. Das Zitat entstammt dem Redemanuskript von Leslie Schwartz, das die Schüler Mara Nawrath und Ali Kobeissi zu Beginn der Veranstaltung am Hans – Schwier – Berufskolleg vortrugen.

Leslie Schwartz 2016

(v.r) Mara Nawrath, Leslie Schwartz, Egbert Stein, Christian Hellman, Judith Neuwald-Tasbach, Jürgen Herbold


Anschließend sagte Herr Schwartz: „ Ich fühle mich wohl, es ist wichtig für mich heute hier zu sein“. Er berichtete von seinem persönlichen Heilungsprozess, der ihn seit gut vier Jahren zu 1.000 Vorträgen vor Schülern in den USA, Niederlanden, Schweden, Ungarn und besonders Deutschland führte. Zum Ende der Veranstaltung trug Herr Schwartz das Gedicht „The Legacy“ von einem unbekannten Autor vor:


Memories as they grow older.

Tend to grow colder, and then disappear.

The burden is now on your shoulder.

You have a message, you must make them hear.

Please, never forget me,“

(Auszug aus dem Gedicht: The Legacy, unknown author)


Mit langem Applaus bedankten sich die 100 Berufsschüler der Bauberufe bei Herrn Leslie Schwartz für seinen ergreifenden Lebensbericht. Zum Abschluss bedankte sich der kommissarische Schulleiter Herr Stein herzlich bei Herrn Schwartz und bei den Gästen des Vortrages: Frau Neuwald-Tasbach von der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Herrn Dr. Hellman, dem Bezirksbeauftragten der evangelischen Kirche Gelsenkirchen und Herrn Herbold, dem örtlichen Beauftragten des Bistums Essen.


Eine weitere Danksagung ging an den Förderverein des Hans – Schwier – Berufskollegs, der ebenso wie in 2013 diesen Vortrag von Herrn Schwartz unterstützte.

In der Gedenkstätte Auschwitz begaben sich Trockenbau- und Fassadenmonteure im Mai 2015 auf die Spuren der letzten Zeitzeugen. Deren Schülerbericht ist hier hinterlegt:
Gedenkstätte Auschwitz: Auf den Spuren der letzten Zeitzeugen, Mai 2015

 

Presseveröffentlichungen zur Veranstaltung:

WAZ-Buer: 21.6.2016:
„Das Erzählen über die Gräueltaten wird zum Heilungsprozess“

Stadtspiegel-Gelsenkirchen: 25.6.2016:
„Holocaust-Zeitzeuge Leslie Schwartz berichtet über die Hölle der NS – Diktatur“

Stadtspiegel-online Lokalkompass, Stand 04.07.2016:
http://www.lokalkompass.de/gelsenkirchen/leute/holocaust-zeitzeuge-berichtet-ueber-die-hoelle-der-ns-diktatur-d670784.html

Weitere Presse:

Süddeutsche Zeitung Nr.81 vom 8.4.2016: „Was wichtig ist“

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